Mutter

Ich bin doch nur ein kleines dickes Kind,
(ein Blumenmädchen zwischen Stahl und Scherben,)
aber du die Mutter, (flügelloser Falter,) die Meine.
Zwei Hände wurden dir gegeben, wie ich zwei habe,
für ein Kind, dass ich noch zwischen diesen halten werde..
(in meinem Honigtraum. Wenn ich nur daran denke
rinnt es süß mir aus den Fingern.)
Und was hast du aus deinen je gemacht?
Eisenfeste Schaufelhände!
Nichts menschliches wohnt ihnen inne, fremd sind ihre Griffe.
Auf kalte Fliesen hast du mich gelegt, nachdem du mich gebartest,
fernab jeder Herzenswärme, mich mit an langen Stöcken festgebundnen Löffeln fütternd.
Doch Mittlerweile sehe ich die Fäden, siehst du sie etwa nicht?
Manche führen weg von hier,
viele aber zu den Kleidern deiner Mutter,
aus denen du ein Nest gebaut,
wie dir eins ward errichtet,
um besser dort hineinzuwachsen.
Und diese seidendünnen Fäden schnüren heute deinen Mund, führen oftmals deine Glieder. (Ein Puppenspiel.)
Was ist von dir geblieben?
Von dem Kind, das lachend durch den Regen sprang,
hinein in große Pfützen?
Dem Mädchen mit der Leidenschaft in Herz und Hand,
das offen durch das Leben ging,
sich jede Woche neu erfindend?

Die Frage rinnt zum Tropfen, kitzelt über Nasenspitze, Lippen,
fällt am Kinn hinab zu Boden und beginnt dort zu vertrocknen.
(Eine Frage ändert keinen Menschen, vorallem ohne Flügel nicht, und Falter können auch nicht schreien, selbst wenn sie es wollten.)

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Mutter

O.T.

Blut in deinem Haar,
Splitter in der Brust.
Zart und weich, schwer auf dem Asphalt.
Finger, Nägel, Hände, Haut reiben sich schon auf
an der Verzweiflung die dich treibt.
Hin zu deinem Kind.
Hin zu seinen Augen.
Einen Atemzug vom Tod entfernt,
ein letzter liebestreuer Blick.. er bricht.
Und Einsamkeit die deinen Leib erfasst,
dir gar für Jahre noch Lächeln aus Mund und Augen wischt.

Dein Herz ist nun gebunden
in kalte Tücher, fest und klamm.
Leblos fällt sein Arm zu Boden,
die Wangen noch ganz Rot und Warm.

Doch bin ich nicht da, um dich zu fangen,
auch nicht Morgen oder dann,
wenn wir uns wieder sehen,
denn ich bin ebenso gefallen
und muss gleichfalls mit dem Zustand leben,
den auch ich nur schwer ertragen kann.

Ja, ich weis genau um diese Sehnsucht, die ständig nach dir greift,
denn die Schmerzlichkeit des Missens, die dich innerlich zerreißt,
sitzt nicht nur in deinem, sondern auch in meinem Fleisch.

Tief in meinem Herzen und griege es nicht raus,
tiefer noch als Füße fähig sind zu laufen,
in mitten eines karg möblierten Raums,
(wo ~Schmerz auf~Schmerz auf~Schmerz~ auf Seele trifft,
auch warme Brötchen auf zwei Tellern
und zwei Stühle stehen schon bereit.
Auf einem ich, auf einem du.
Zumindest war es früher so.
Jetzt steht auf deinem nur ein Bild,
eigentlich gar viele, naja ich tausche zwischen ihnen.
Was? ..das Lachen?
Das kommt von draußen, aus dem..
du meinst es giebt gar keinen Garten?
Dann ist auch das wohl nur Erinnerung.)

Wenigstens am Tage spür ichs nicht.
Dafür schreie ich des Nachts,
oder beiße fest in meine Laken
bis Müdigkeit dem irgendwann ein Ende macht.

O.T.

Gläsern beschuht.

Es ist, was du in deinen Händen hältst, ein gläsern Schuh, den dir die Gier geboren. Er wiegt nicht viel und kostet nicht die Welt, zumindest nicht die meine, jedoch die deine, weil du es bist die ihn in Händen hält. Drum kannst nicht anders, musst ihn lieben, musst ihn ehren, gar auf ein Podest erheben, musst ihn stundenlang betrachten und wirst dir schließlich selbst dein Augenlicht aus Sucht nach ihm zerkratzen. Einer Sucht die nicht zu stillen ist, von derer viele Lieder singen, eine die dein Herz zerbricht, und einsam macht, dass Tränen, Zärtlichkeit und schöne Worte dir am End wie Fremde sind. Fremde aus dunklen engen Gassen, in dunklen weiten Mänteln, den Schatten im Gesicht, aus einer Fremde, die dir schon von Ferne dornen in dein Auge sticht. So sind es diese Dornenstiche, die dich nicht schlafen lassen, weil du Schmerzen leidest jeden Tag. Tage voller Leere – ohne Lachen.

Und so grenzt dein Leben gläsern nun an das der Anderen, doch hüte dich in ihnen das zu suchen was du dir zu füllen wünschst und nimm um Gottes Willen nicht das Messer dort! Ich sage dir: nur Blut kannst du gewinnen, und eine Illusion des Glücks, die dich dann Innerlich verwesen lässt, weil sie seit dem ersten Augenblick einfach schlichtweg Lüge ist. – Und? bist du nun zu frieden? Hast du den Schuh mit Fleisch gefüllt und das Ersehnte so gefunden? Sag, ist die Wahrheit eine Schöne, wenn sie rote Kleider trägt? Einmal erstochen, aufgebahrt, hübsch angezogen, gibt sie die Antwort, nach der du lang getrachtet, doch eine die aus deinem Munde ward gesprochen, da du dir ihren nur zu eigen machtest. Wie glücklich du wohl in ein paar Jahren bist, wenn du merkst, dass du dem Morgen niemals Wunschlos gegenübertreten können wirst? Egal. Auf den Lippen immer ein Begehr, immer ein Verlangen, eine Sucht nach Mehr, die tief verankert in deinen Gedanken, sucht nach einem Schuh der nicht gefüllt werden kann.

Gläsern beschuht.