Erstes* Birnenlied

Ich möcht nur sagen –
Du sollst wissen,
dass dæiner trauric Augen blau
sich mir ins Hirne brannte,
un auch der Finger sanftes Zittern,
als übel Worte über dæine Zung gekummen,
die minn Hände, obwohl stârk,
unmin Sêle, dâso zart,
in festem Griff gebrochen hân..
..un wie mir da die Minne meine Brust zerdrückte (!)
wie gleichsam Hals und Herze dann,
dass jene allecliche lang
niht mehr ze enzu gebrauchen warn.
Herre wollt ich sâgen dear –
Dinn Handeln uß den Tâgen –
(Und fast uß æiner andern waelt)
als kräftig rieche Trâchen
noch âne Vurht die Welt umspânten,
mit Klauen scharf un grôz
(wie hie minn Lipp, von Houpt ze Vuoz)
und je ein sweifgem dornen Swanz –
war unstæt, unreht und tat wêh.
Ich werds wohl niht vergessen
mine schöne Frouwe dear.

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Erstes* Birnenlied

Im Pantherfell

Ich trag die Zärtlichkeit, mit all der ungestümen rigorosen Kraft und einem anderthalben dutzend scharfer Krallen, wohl nur in meiner Zunge, doch den Hunger gleich im ganzen Leib.

Satt sehen will ich mich.
Und dir die Augen aus dem Kopf schaun will ich auch!
..bis mir jeder Gedanke, jedes Haar und jeder Regungszug, der je um deine Lippen spielen könnte,
dann bekannt ist.

Doch – bis auf den ersten hellen Funken hab ich’s garnicht eilig.
Ein Jahr könnten wir Verstecken spielen und das zweite stumm uns gegenüber sitzen, denn völlig gleich, ob das Zusammenwachsen Tage, Wochen oder Jahre dauern mag – solang dir nicht die Haut entblättert, unter meinen Fingern bricht, zu Laub zerknittert und der Feuerglanz in deinem Blick im Wind verlischt..
ist doch noch Zeit, sich gegenseitig festzuhalten, einander auszufragen, den andern auf die Stirn zu küssen oder auch mit Hitze im Gesicht zu streiten und versöhnend wieder aufeinander zu zu laufen, um sich danach im Arm zu haben, ein Lächeln grad erleichtert auf den Wangen Lippen Augen tragend.

Im Pantherfell