Im Herzen Tragen

Ist der Tropfen silbern nicht,
der glühend brennt,
und kalt dann auf den Lippen,
dir wie mir Gewissheit schenkt?

Ist die Antwort auf zukünftige Fragen
vielleicht am Ende nur ein Spalt,
den wir hernach im Lächeln
des Andern unversehens finden werden?

Auch sind es unser beider Augen,
im Blick versunken,
wie wir mit Decke, Arm und Bein Verschlungen,
die sich in Stille zu verstehen glauben.

(Und erst, wenn meine Finger über deinen Körper fahren,
rinnt aus deinem Munde Atem, der nach Worten suchend ringt.
Ein Geräusch, das von Verheißung spricht,
nach Wonne schmeckt und Honig klingt.
Und wird dann später auch noch etwas lauter,
etwas wilder, etwas unvergleichlich schöner,
wenn in dich dringt was du begehrst.
Und gar am Schluss zuguterletzt
hoffentlich zum schreien bringt und mehrfach brächt,
wär unsre Zeit nicht so begrenzt,
oder unsre Körper schon mit Schweiß benetzt.)

Doch wenn man sich im Herzen trägt
braucht der Rest nicht vieler Worte,
nur Tropfen, die im Lichte silbern sind,
wenn man Augenlieder traurig aufeinander senkt
und Kälte dann, salzig, nass,
auf Wangen und auf Lippen hängt.
was Einsamkeit erschafft
und Zweisamkeit erlebbar macht.

Werbung
Im Herzen Tragen