Gläsern beschuht.

Es ist, was du in deinen Händen hältst, ein gläsern Schuh, den dir die Gier geboren. Er wiegt nicht viel und kostet nicht die Welt, zumindest nicht die meine, jedoch die deine, weil du es bist die ihn in Händen hält. Drum kannst nicht anders, musst ihn lieben, musst ihn ehren, gar auf ein Podest erheben, musst ihn stundenlang betrachten und wirst dir schließlich selbst dein Augenlicht aus Sucht nach ihm zerkratzen. Einer Sucht die nicht zu stillen ist, von derer viele Lieder singen, eine die dein Herz zerbricht, und einsam macht, dass Tränen, Zärtlichkeit und schöne Worte dir am End wie Fremde sind. Fremde aus dunklen engen Gassen, in dunklen weiten Mänteln, den Schatten im Gesicht, aus einer Fremde, die dir schon von Ferne dornen in dein Auge sticht. So sind es diese Dornenstiche, die dich nicht schlafen lassen, weil du Schmerzen leidest jeden Tag. Tage voller Leere – ohne Lachen.

Und so grenzt dein Leben gläsern nun an das der Anderen, doch hüte dich in ihnen das zu suchen was du dir zu füllen wünschst und nimm um Gottes Willen nicht das Messer dort! Ich sage dir: nur Blut kannst du gewinnen, und eine Illusion des Glücks, die dich dann Innerlich verwesen lässt, weil sie seit dem ersten Augenblick einfach schlichtweg Lüge ist. – Und? bist du nun zu frieden? Hast du den Schuh mit Fleisch gefüllt und das Ersehnte so gefunden? Sag, ist die Wahrheit eine Schöne, wenn sie rote Kleider trägt? Einmal erstochen, aufgebahrt, hübsch angezogen, gibt sie die Antwort, nach der du lang getrachtet, doch eine die aus deinem Munde ward gesprochen, da du dir ihren nur zu eigen machtest. Wie glücklich du wohl in ein paar Jahren bist, wenn du merkst, dass du dem Morgen niemals Wunschlos gegenübertreten können wirst? Egal. Auf den Lippen immer ein Begehr, immer ein Verlangen, eine Sucht nach Mehr, die tief verankert in deinen Gedanken, sucht nach einem Schuh der nicht gefüllt werden kann.

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Gläsern beschuht.